Von Christian Fischer-Rasokat
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Interview mit dem Mitgründer der ESE GmbH Thomas Wiest und dem langjährigen Mitarbeiter Thomas Wenzler, Leiter der Elektronikentwicklung

Tommy, wie kam es denn dazu, überhaupt die ESE zu gründen? Wie kamen Klaus Haberstroh (ebenfalls Mitgründer und Geschäftsführer) und Du auf die Idee?

Thomas Wiest (ThWi): Ganz verrückte Geschichte… Wir haben ja beide bei Perkin Elmer schon fast zehn Jahre zusammen gearbeitet und haben da zum Beispiel das Lambda 900 (ein Spektrophotometer Anm d. Redaktion) das hier bei uns steht zusammen entwickelt. Somit konnten wir schon auf 10 Jahre gemeinsame Erfahrung bezügl. Instrument, Software und Optik zurück greifen. Und dann ist bei Perkin Elmer die Entscheidung gefallen, das ganze Know how in die USA zu verlagern und wir haben gemerkt, dass da eigentlich keine Zukunft mehr für uns ist im alten Werk in Überlingen. So haben wir dann beschlossen, gestützt durch die damalige Geschäftsleitung mit einer Auftragsgarantie für die ersten Jahre, dass wir uns selbstständig machen.

Das heisst, ihr seid nicht ganz ins Blaue hinein gestartet?

ThWi: Nein, wir hatten einen weichen Ausstieg. Da ich in der neuen Firma immer ganz gut Bescheid wusste bei Software Themen, konnte ich für uns die Aufträge abarbeiten während Klaus sich um die Akquise neuer Projekte kümmern konnte. Nach etwa einem Jahr konnten wir die Firma CIBA als Kunden gewinnen und da muss ich sagen das war eine ganz verrückte Geschichte: Klaus machte mit einem Bekannten eine Bergtour und dieser fragte ihn ob er jemanden kenne, der UV messen kann? „Wir!“ sagte Klaus, und so sind wir zu CIBA gekommen, die dann unsere Firma eigentlich finanziert haben.

Wo und auch wie habt ihr in den Anfangsjahren gearbeitet, wenn man die Produkte mal ausklammert? Ich könnte mir vorstellen, in den Anfangsjahren war vielleicht die Arbeitsweise eine andere wie sie heute ist?

ThWi: Für mich war die Arbeitsweise immer gleich. Aber damals natürlich am Anfang hatten wir keine Räume. Da waren wir beim Klaus in der Ferienwohnung und arbeiteten in einem 20 Quadratmeter Raum, zwei Leute, fünf Rechner und im Sommer konnte es schon bis 40 Grad warm dort werden. Und als es dann mit CIBA losging, wuchsen wir sehr schnell und zogen dann recht bald in die alte Uhren Fabrik in Ludwigshafen in der Mühlbachstraße um.

Frage an dich, Thomas… Du bist jetzt 20 Jahre dabei. Wie hast du den Wandel der Firma bis heute hin erlebt und wie hat sich die Firma verändert?

Thomas Wenzler (ThWe): Gefühlt war es über die Jahre so, als ob ich in zig verschiedene Firmen gewesen bin, weil es so unglaublich viel Wandel in der Technologie gab. Gerade hatten wir es davon von den Anfängen von CIBA, über die Webserver, über Solaranlagensteuerung, bis hin zu den Fluoreszenz Messgeräten und Lateral Flow Geräten, wie wir sie heute haben.

ThWi: Und dann kam auch noch der Multireader (Isothermales Messgerät) in 2012 hinzu…

ThWe: Also zum einen technologisch, zum anderen aber auch, sagen wir mal organisatorisch und menschlich. Anfangs waren es zehn Leute, jeder kannte jeden und sobald es anfängt zu Wachsen, kannst du nicht mehr jeden kennen. Und dann begann ein richtiger Wandel von klein und familiär zu immer größer mit bestimmte Strukturen und auch mit bestimmten Abteilungen, in denen nicht jeder mehr alles machen kann, weil es einfach zu viel wird. Ja und da muss ich sagen, das ist wirklich ein stückweit so, als ob du sagst, du warst in verschiedenste Firmen.

Was waren deine persönlichen Highlights in der bisherigen aktiven Zeit von der ESE, über QIAGEN hin zu DIALUNOX heute?

ThWe: Da gibt es sehr viele Highlights. Eines der Highlights, die ich am lustigsten fand, war die Sache mit Bluetooth. Bluetooth kennt heute jeder. Aber ich habe damals meine Diplomarbeit darüber gemacht und da gab es Bluetooth genau fünf Jahre. Also Bluetooth ist etwa zur gleichen Zeit entstanden als die ESE entstanden ist. Ich glaube 1998 war das…

Damals hat noch keiner groß davon gesprochen…

ThWe: Richtig, da gab es ganz wenige Smartphones, die hatten Bluetooth drin und dieses erste Fluoreszenz Messgerät für CIBA war ein Bluetooth Gerät. Es war batteriebetrieben und man konnte das Geräte auf den Tisch legen und drahtlos Firmware updates machen. Das war 2002/2003 als wir mit Bluetooth anfangen haben. 2002 war ich auch auf der CEBIT Messe zu Besuch und habe dort Kontakt zu einer Firma bekommen, die es heute nicht mehr gibt da sie aufgekauft wurde. Die Firma hieß National Semiconductor und wir haben von ihnen die Entwicklungsmuster aus Japan bekommen. Und das lustige daran ist, es gab in Europa genau zwei Firmen die von dieser riesige Weltfirma die Bluetooth Module bekommen haben. Diese zwei Firmen waren die ESE mit 15 Leuten und das damalige Nokia. Und so nahm es seinen Lauf…

Und Tommy, wie würdest du heute DIALUNOX beschreiben, wenn du jetzt mal zurückblickst?

ThWi: Also was ich lernen musste, ist dass das nicht mehr nur meine Firma ist. Das ist ganz schwer zum Lernen, wenn du Chef bist oder wenn du wenigstens weiß, was los ist. DIALUNOX hat auf jeden Fall eine Chance. Das Arbeitsklima ist nach wie vor super. Ich selbst kann in Anführungszeichen erarbeiten was ich will. Einerseits ist das super und andererseits muss ich aber auch immer überlegen, auf welche Kostenstelle ich die Zeiten aufschreibe. Aber im Prinzip ist es nach wie vor eine super Firma aber natürlich völlig anders wie damals. Wie Thomas sagte, das sind drei oder vier verschiedene Firmen, die wir durchgelaufen haben.

Was wünscht ihr DIALUNOX für die kommenden 25 Jahren?

ThWi: Ich glaube wir haben so langsam einen kleinen Markt den man bedienen kann. Wenn wir da gute Produkte platzieren, dann können wir schon sehr gut überleben. Das wird auch nicht weniger, sondern immer mehr. Viele Leute sind dran an irgendwelchen Tests, an irgendwelchen Sachen, was man alles noch selber daheim testen könnte. Es ist einfach verrückt. Wir schlucken ja alle möglichen Vitamine, nur damit wir gesund bleiben. Und da entsteht ein Riesenmarkt. Wenn man gute Produkte hat und DIALUNOX hat gute Ideen, wird es gut klappen.

ThWe: Also ganz ehrlich, da gibt es eigentlich kaum was hinzuzufügen. Ich wünschte DIALUNOX, dass Sie ein stückweit anknüpfen an die Kreativität, die man früher gehabt hat und an die Geschwindigkeit, wie man es früher gemacht hat. Und ich glaube, wenn man ein entsprechendes Portfolio hat, dann hat man sicherlich sehr starke Chancen, hier ein Vorreiter in dieser Branche zu sein.

Tommy und Thomas, ich danke euch für das Gespräch.

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